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AV-Dialog_2016-3

Forum Gedanken zum neuen Abstimmungsverfahren Alles neu macht der Mai 14 AV www.av-dialog.de Von Jürgen Tappe Da waren wir alle doch sehr überrascht. Bei der Abstimmung über die Schauen des diesjährigen Wettbewerbs in Hopfen am See gab es ein neues Verfahren. Bisher mussten wir allen zum Wettbewerb eingereichten Werken eine Note auf einer Skala von Null bis Neun geben. Das hatte seine Tücken. Wenn ich dabei gerecht sein wollte, musste ich doch viele Werke, die ich alle nur einmal gesehen hatte und zwischen deren Vorführung mehrere Stunden lagen, miteinander vergleichen. Diesmal war alles ganz einfach: Ich brauchte nur noch meine drei Favoriten auf einem kleinen Zettel einzutragen. Die Auswertung konnte live erfolgen und war eine äußerst attraktive und spannende Angelegenheit. Ich habe den Eindruck, dass viele Teilnehmer von dieser Vorgehensweise begeistert waren. Liegt es nun wieder einmal an mir und meiner Art, die Dinge des Lebens durch die Brille des Analytikers zu sehen, dass ich bei diesem neuen Verfahren Positives erkenne, aber auch einige Zweifel hege? Dazu möchte ich zwei Aspekte beleuchten: 1. Die Wahl der drei Preisträger Bei dieser Wahl gibt es drei Sieger und jeder hat zu deren Ermittlung drei Stimmen. Rein gefühlsmäßig scheint mir dies in Ordnung zu sein. Das Verfahren hat eine gewisse Analogie zu den Wahlen der stellvertretenden Parteivorsitzenden bei den meisten politischen Parteien. Sind drei Stellvertreter zu wählen, dann können die Delegierten auch jeweils drei Kandidaten ankreuzen. Das neue Verfahren beim AV-Dialog bringt mit Sicherheit auch neue Aspekte ins Spiel, was aber kein Nachteil sein muss. Eine Schau, die neue Wege geht, und die extrem kontrovers gesehen und bewertet wird, hat nach dem alten Verfahren wenig Aussichten, weit vorne zu landen. Dies liegt an der mit dem alten Verfahren verbundenen Mittelwertbildung. Was nutzt es einem Werk, wenn vierzig Teilnehmer eine Neun vergeben, fünfzig andere jedoch dasselbe Werk mit ganz wenigen Punkten abstrafen. Es landet dann irgendwo im Mittelfeld. Bei der neuen Methode hat es deutlich bessere Chancen, vorne dabei zu sein. Andererseits kann eine Schau, die handwerklich und auch sonst gut gemacht ist, die eigentlich allen Betrachtern gefällt, ohne dabei ganz vorne gesehen zu werden, nach dem al


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