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20 AV www.av-dialog.de Forum speziellen Anforderungen von AV-Schauen dann erkennen, Spezialisten also. Da es unter den Filmern kaum Juroren gibt, die sich in AV so eingedacht und eingearbeitet haben wie in das Medium „Film“, habe ich noch keine Jury gesehen, bei der die Hände hochsausten, wenn der Juryleiter fragte: Wie haben sie diese Schau empfunden, hat sie Sie angesprochen? Da ist erst mal Stille! Da schauen die Juroren auf ihre Zettel oder in die Runde! Zunächst einmal: Das war bisher in Ordnung. Keiner will sich ja den Mund verbrennen mit etwas, von dem er selbst weiß: Davon versteh ich nichts! Das ist jetzt nicht als Jurykritik zu bewerten. Lassen Sie mich einmal zusammenfassen. Was erwarten wir Filmer? Dass eine Handlung sich entwickelt, eine Geschichte sich erzählt, dass uns ein Zeitpfeil aus der Handlung zu einem Ende und Höhepunkt leitet! Unsere Filme sind Züge, die vorbeifahren und am Ende in einem Bahnhof ankommen, der heißt Happy End oder Plotpoint oder Langeweile. Wie ist das jetzt mit AV-Schauen aus der Sicht von Filmern? Also die Titelfrage: Können unsere Juroren AV bewerten? Ich möchte die Situation in einem Beispiel schildern: Einem Borussiafan kann man nichts vormachen, der sitzt auf der Tribüne und kommentiert Ballabgabe, Pass, Torschuss, Abseits und Foul souverän. Er wäre ein guter Juror für die Kunst „Fußball“! So haben wir in Dortmund alle zwei Wochen bis zu 82000 Juroren im Stadion. Jetzt stellen sie sich vor, einer davon würde von einem amerikanischen Fußballfreund eingeladen, Schiedsrichter bei einem „American Football“-Spiel zu sein. Das würde nicht gehen, „Fußball“ und „Football“ sind unterschiedliche Sportarten, deren Regeln nichts miteinander zu tun haben. Bei „AV-Schau“ und „Film“ ist das genauso, aber das weiß nicht jeder, selbst unsere FIFA, Entschuldigung, der BDFA erkennt das erst langsam! Die Sehnsucht von Fotografen und AV Liebhabern liegt darin, mit dem Druck auf den Auslöser in einem Augenblick des Schöpferischen etwas Ewiges zu schaffen! Um dann, mit einer Schau aus vielen guten Bildern etwas noch Vollkommeneres anzustreben, den Zuschauer zu beflügeln mit Bildgewaltigkeit oder Bildreduktion, Bildornamentik oder digital/kreativ unterstützter Raffinesse! Aber auch durch Ausnutzung der Unbeweglichkeit der Bilder das Hinführen des Betrachters zum Staunen, zum Nachdenken, zur Inspiration, manchmal sogar eigener Meditation. AV-Schau-Gestalter wünschen sich und träumen davon, dass ihre Zuschauer während und nach der Schau einen Augenblick innehalten und über das Thema nachdenken. Um das zu verstehen, müssen die grauen Zellen der Zuschauer schon vom ersten Erscheinen eines Bildes an aktiv sein und eine gewisse Zeit an der Deutung arbeiten. Auch die von BDFA-Juroren! Das ist aber nicht das Ziel des Strebens von Filmern. Ich bin selbst seit 65 Jahren leidenschaftlicher Hobbyfilmer und will jetzt nicht mein eigenes Nest mit Geringwertigkeit beschmutzen, aber AV-Hobbyknipser denken manchmal „hehrer“ als Filmer! (Wikipedia-Deutungsvorschläge für „hehr“: ernst, himmlisch, selig, erha


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