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AV-Dialog_2016-3

21 AV AV-Dialog 3/2016 Forum ben, weihevoll, heilig, geweiht, gesegnet, fromm, göttlich, verehrungswürdig, ehrwürdig.) Suchen Sie sich eine Wortbestimmung aus! (Und mit dem „Knipser“ habe ich ja schon mal angedeutet, dass ich nicht von Göttern rede.) Meine Achtung vor dem Stand der AV-ler rührt daher, dass sie etwas Besonderes machen, etwas außerhalb des Mainstream. Sie reduzieren die Hektik unserer Zeit und versuchen: „Immer mit der Ruhe!“ Beim Film eilen die Szenen unaufhaltsam vorbei. Der Zuschauer ist heute so filmerfahren oder auch filmbedruselt, dass er nicht mehr nachdenken muss, er versteht intuitiv, deshalb quasselt bei vielen Menschen in der Küche den ganzen Tag der Fernseher. Kochen, Bügeln, Schularbeiten, das alles schwuppt besser mit TV. Dann die E-Mails checken und die SMS und die Sonderangebotsapp von Aldi, und während im „Ersten“ der Bergdoktor der Magd im Heu nachsteigt, kocht auch noch das Kartoffelwasser über! Dabei müssen sich die grauen Zellen nicht anstrengen. Also, eine AV-Schau als Dauerberieselung in der Küche wird es nie geben. Wie sehen denn „Äktschen“ gewohnte Filmer eine AV-Schau? Ein AV-Abend: Die Schau fängt mit dem ersten Standbild an. Spätestens nach vier Sekunden die Feststellung: Wann passiert hier endlich was! Dann kommt eine langsame Überblendung von einer vom Nebel umwogten Buche auf einen nebelwabernden See. Die Überblendung dauerte zwei Sekunden, wir befinden uns in der zehnten Sekunde der Schau. Im Jurorenhirn tropfen Erfahrungen ins Bewusstsein: Überblendungen sollen im Film doch Zeit- oder Ortssprünge andeuten, was sollte das jetzt hier? Plötzlich steht ein Reiher am Ufer. Dann nach einem harten Cut: zwei einzeln umrahmte Bilder nebeneinander vor dem unscharfen Umfeld des Teiches! Was zeigen die Bilder: unseren Reiher und eine Ente. Nach einem musikalischen Chor-Gesäusel (aus der Schöpfung von Haydn) erscheint ein Viererbild mit einzeln umrahmten Reiher, Ente, Biber und Frosch! Noch kein Wort eines Kommentars stört unsere Informationssucht. „Soll auch nicht“, erklärt der Autor hinterher, meine „Intention“ war es, dass der Zuschauer selbst auf die Idee kommen soll, in meinen gezeigten Elementen „Wasser und vielfältiges Leben“ den göttlichen Schöpfungsakt nachzuvollziehen! (Liebe AV-ler, ich schreibe Artikel auch, damit ich die Leser unterhalte, drum verzeihen Sie mir manch‘ satirische Blicke. Wenn die Leute lachen – lesen sie auch weiter!) Was soll also ein BDFA-Juror mit dieser „Schöpfungsgeschichte“ anfangen? Der will „Äktschen“ und nicht „Traumwandeln“! Deshalb seine Feststellung: „Da fehlt mir die Bewegung!“ Die meisten Juroren im BDFA haben sich noch nicht mit AV beschäftigt und deshalb kein Verhältnis dazu. Ein BDFA-Juror sucht Film! AV ist ihm oftmals gerade als Begriff bekannt. Meine Definition von AV habe ich aus meiner persönlichen Erfahrung im grau hinterlegten Feld oben aufgeschrieben. Ich finde, dass diese Sätze Herz und Verstand sowie Streben von AV sind. Die Kunst der AV-Schau bietet darüber hinaus noch ein Universum von Gestaltungsmöglichkeiten, das wir Filmer nur erahnen können.


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