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AV-Dialog_2016-3

Jury und Besucher des „Citta di Garda“, vorne in der Mitte Lorenzo de Francesco, der den Wettbewerb maßgeblich mitorganisert hat. 25 AV AV-Dialog 3/2016 Berichte Von den elf Preisträgern stammten sieben aus Italien, zwei aus Frankreich, einer aus England sowie einer aus Südafrika. Von den sieben italienischen Preisträgern war nur Pierluigi Rizzato zur Preisverleihung anwesend. Dass Italien auch die höchste Annahmequote von 68 Prozent erzielte, liegt unserer Meinung nach daran, dass anderssprachige Autoren sich mit textlastigen Beiträgen zurückhielten. Die Jury schätzte aber gerade besonders Beiträge mit einem hohen erzählerischen Potential. Sie veröffentlichte im ansprechenden Katalog die Begründungen für die Wahl der Preisträger. Zum ersten Platz, „Silent Cries“ aus Südafrika, schrieb die Jury: „Eine kraftvolle Darstellung des Lebens der Obdachlosen im strengen Winter einer Großstadt, genährt aus Ängsten und Hoffnungen, beeinflusst von einem leidenschaftlichen Gebet, das uns bis zum Ende begleitet. Ein ausgezeichnet umgesetztes Projekt mit einer packenden Dramaturgie und Bildern, die einem erlauben, sich in die düstere, gewaltsame und verzweifelte Wirklichkeit einzufühlen. Diese Bilder haben den Autoren eine besondere Anteilnahme abverlangt. Der Soundtrack berührt uns stark Dank einer tiefgründigen und gut strukturierten Erzählung.“ Dieser Beurteilung konnten wir aus ganzem Herzen folgen. Wir waren hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Wut auf die sozialen Verhältnisse in Johannesburg. Der obdachlose Held betet in der kalten Nacht um seinen Tod und will doch nach Sonnenaufgang erneut den Kampf ums Überleben weiterführen. Alle angenommen Werke hatten ein außergewöhnlich hohes Niveau. Die Jury machte einen sehr guten Job. Es gab auch Einreichungen zum Beispiel von abgefilmten Lichtinstallationen. Eine Publikumsjury, wie bei den AV-Dialog-Veranstaltungen üblich, hätte womöglich vor Begeisterung über das gebotene Spektakel anders entschieden und solch ein Werk auf einen vorderen Platz gehievt. Eine Publikumsjury neigt leider dazu, nach dem ersten Augenschein zu urteilen, ohne der wichtigen Frage nachzugehen, welchen künstlerischen Anteil der Autor selbst erbracht hat. Als unser Fazit lässt sich sagen, es hat sich für uns gelohnt, einen internationalen Salon dieser Klasse zu erleben. Wir haben viel gelernt und diskutiert. Auch am Rande der Veranstaltung den Grandseigneur der britischen AV-Szene, Ron Davies mit Julie England und Keith Storey, kennenlernen zu dürfen, war eine wertvolle Erfahrung. Der Katalog wurde als PDF veröffentlicht auf: www.fiaf.net/diaf > Concorsi


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