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AV-Dialog_2016-3

33 AV AV-Dialog 3/2016 Gestaltung Diese Aussage von Autoren audiovisueller Schauen dürfte in vielen Fällen sicher zunächst stimmen. Mit fortschreitender Übung und Verfeinerung der eigenen Fähigkeiten wächst aber früher oder später sicherlich der Wunsch, sein Werk auch mal einem größeren Zuschauerkreis zu zeigen. Sei es aus Gründen der Selbstkritik, für die jeder AV-ler offen sein sollte, oder nur, um sich mitzuteilen, seine Freude über eine schöne Reise oder eine pfiffige Idee anderen mitzuteilen. Wer im Fotoclub oder privat seine Schauen vor Publikum präsentiert, muss über den eigenen Tellerrand hinaus schauen. Öffentliche Vorführungen sind in jedem Fall etwas ganz Besonderes. Diese Auftritte können uns enorme Bestätigung verschaffen. Es wächst der Antrieb, sich wieder einmal die Mühe zu machen und eine weitere Produktion in Angriff zu nehmen. Trete ich an die Öffentlichkeit, will das Publikum nicht wissen, ob ich ein Anfänger oder ein alter Hase bin. Die Menschen kommen, um auf der Leinwand eine Präsentation zu sehen, die sie gut unterhält und/oder informiert. Die Zuschauer haben ein feines Gespür für eine gute, ehrliche Arbeit. Der Applaus, spärlich nur aus Höflichkeit, oder heftiger aus wirklicher Zufriedenheit heraus gespendet, ist ein deutlicher Gradmesser hierfür. Und die freudigen Gesichter am Schluss sind sowieso das beste Honorar. Um dies zu bekommen, muss ich mich auf die Zuschauer einstellen und mir über sie Gedanken machen: • Was erwarte ich selbst als Betrachter einer Schau? • Wie empfindet möglicherweise mein Zuschauer? • Wie kommt meine Schau bei ihm an? • Was kann ich ihm zumuten? • Was erwartet er von mir? • Was biete ich ihm? Ich kann ihn zum Mitdenken anregen oder erlauben, sich die Freiräume zwischen einzelnen Bildern mit der eigenen Fantasie auszufüllen. Ich kann ihn auch anleiten oder „zwingen“, durch ständige Aufmerksamkeitspunkte meiner Linie zu folgen, alles so zu sehen und möglichst so zu empfinden, wie ich es ihm darbiete. Der Zuschauer darf in seiner Beobachtungsgabe, seinen Gefühlen, seiner Beurteilungsfähigkeit nicht unterschätzt werden. Ein logischer Fehler im Ablauf wird von ihm häufiger enttarnt, als man denkt. Wenn ich ihm ein zeitlich oder räumlich unpassendes Bild unterschiebe, muss ich damit rechnen, dass ich nach der Schau darauf angesprochen werde. Deshalb: Immer authentisch bleiben! Warum sollte sich jemand meine Schau ansehen? Um seine Schau hinsichtlich der möglichen Wirkung auf die Zuschauer zu überprüfen lohnt es sich, zu Beginn der Arbeit zu fragen: • Warum sollte sich jemand meine Schau ansehen? • Kann das Thema jemanden interessieren? • Was ist das Besondere an meiner Schau? • Wie bringe ich das Thema interessant rüber? • Welche Aussage soll meine Schau haben?


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