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38 AV www.av-dialog.de Gestaltung Zeigen und Erzählen Gedanken zum Wesen einer Geschichte Von Ralf Dömmling Vor einigen Tagen wurde ich angesprochen auf eine Schau, die ich auf Wunsch bei einem 70. Geburtstag gezeigt hatte, „Santorini“. „Ah, wow, die tollen Bilder mit der Musik, einfach toll.“ Die Geburtstagsgäste, zu denen auch ich zählte, waren damals begeistert. Die anerkennenden Worte taten gut. Die Begeisterung war groß, mein Engagement dagegen gering. Ich hatte für die Schau nicht einmal eine Idee entwickelt. Die Schlagerschnulze hatte mir der Zufall zugespielt. Für 1,23 Euro im Internet erworben, kopiert und schöne Fotos zugeordnet, ohne Konzept, nur nach Vorgabe der Schnulze: Das war‘s. Die Gäste haben nichts erfahren über die Antike oder Geologie der Insel. Gleichwohl, sie waren begeistert. Wie leicht kann man anderen doch eine Freude machen. Und was schließe ich daraus? Unsere AV-Sympathisanten erwarten keinen Film, das leuchtet ein. Sie erwarten schöne Bilder. Und welche Erwartung sollten sie darüber hinaus hegen? Tatsache ist doch, wir Insider selbst können nicht prägnant definieren, was wir zu bieten haben. Sicher ist, wer sich darstellen möchte, liegt auf der sicheren Seite, wenn er seinem Publikum „schöne Bilder“ zeigt, serviert mit gefälliger Musik. Auf der Suche Doch da gibt‘s eine andere Seite der Medaille. Ich habe einfach mal gefragt und dabei erfahren, dass es die anderen gibt, diejenigen Autoren, die Freude haben an der gestalterischen Herausforderung, die gerne hautnah an einer Sache arbeiten und Phantasievolles schaffen. Diese Art, AV zu pflegen, setzt voraus, dass man auf der Suche nach neuen Wegen offen ist für artverwandte Disziplinen. Der intensive Fokus allein auf die Fotografie endet in einer gestalterischen Sackgasse. Wer mit Bild und Ton gestalten möchte, kommt nach meinem Dafürhalten nicht vorbei an dem Gedankengut der Filmemacher. Die Tatsache, dass die Fotokameras technisch hervorragende Filmsequenzen einfangen, fordert geradezu dazu auf, sich mit der gestalterischen Seite der bewegenden (filmischen) Bilder zu beschäftigen. Wer interessiert ist, findet im Internet ein Angebot vielfältiger Filmliteratur. Anders als über die üblichen Fotozeitschriften, die mehr oder weniger Handlanger der Fotoindustrie sind, erfährt der Leser alles über die „Sprache“ aus der Kombination von Bild und Ton und erkennt, wie wenig von dem Wissensangebot praktisch


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