Page 39

AV-Dialog_2016-3

39 AV AV-Dialog 3/2016 Gestaltung umzusetzen ist. Aber es ist hilfreich und empfehlenswert, über den Horizont zu schauen. Gedanken zum Erzählen Anknüpfen möchte ich an meinen letzten Beitrag im AV-Dialog-Heft 2/2016, Seite 20, in dem es u. a. um das Erzählen ging. Wer etwas erzählen möchte, der sollte etwas erlebt haben und das Rüstzeug besitzen, um Erleben überzeugend wiedergeben zu können. Erzählen nährt sich vom Ereignis, es muss sich etwas zugetragen haben, z. B. Silvester 2015/16 zu Füßen des Kölner Doms oder in Hamburg beim Hafengeburtstag oder bei den Schnecken in unserem Garten. Nicht die Häuserfronten einer Stadt liefern die Grundbausteine des Erzählens, sondern das, was sich zwischen den Fassaden abspielt. Menschen interessieren sich für Menschen, weniger für Fassaden. Der Kölner Dom ist tote Materie, ihm selbst lässt sich kein Erzählen abringen, es sei denn, dichterische Freiheit lässt ihn berichten vom Werden und Sein. Aber genau genommen, sind wir dann bei den Handwerkern der Vergangenheit, die für Ereignisse sorgten. Und der Kölner Dom könnte auch aus klerikaler Sicht über die Ereignisse der Silvesternacht 2015/16 erzählen. Da lassen sich viele Worte finden, die zu virtuellen Fantasiebildern führen, die aber reale Bilder nicht ersetzen können. Während unserer Urlaubstage in Füssen habe ich selbstverständlich auch Aufnahmen gemacht vom Schlossgiganten „Neuschwanstein“. Der Architekturprotz ist für sich kein Ereignis, Ereignis ist das Drumherum, das Gebaren der Besucher aus aller Herren Länder. Ebenso ist es ein Ereignis, wenn waghalsige Zeitgenossen mit ihren Gleitschirmen und mit Vertrauen in die tragenden


AV-Dialog_2016-3
To see the actual publication please follow the link above